Information für Tierärzte
Stellungnahme zum Saciri
Bite-Guard
Tim Saciri und seine Gruppe haben einen Zahnapparat entwickelt,
der Verletzungen durch Hundebisse verhindern oder wenigstens
die Verletzungsgefahr wesentlich einschränken soll. Der
Apparat ist nicht als vollwertiger Ersatz für den Maulkorb
gedacht, sondern als Ergänzung zu bereits bestehenden
Mitteln. Jedoch liegen bisher keine Langzeitstudien vor, sodass
Bedenken hinsichtlich der Sicherheit für Mensch und Hund
und auch der Verträglichkeit bestehen.
Beschreibung
Es handelt sich um einen 2-teiligen Überzug aus Kunststoff,
der über Incisivi (Schneidezähne) und Canini (Fangzähne)
von Ober- und Unterkiefer des Hundes gestülpt wird. Diese
Kunststoffteile verhindern das vollständige Schliessen
des Maules. Bei einem Biss können die Canini und Incisivi
die Haut des Betroffenen nicht mehr perforieren. Ausserdem
sollen die Kunststoffteile durch den starken Speichelfluss
von der Hautoberfläche abgleiten und insgesamt das Beissen
erschweren. Der Hund muss langsam an diesen Zahnüberzug
gewöhnt werden.
Individuell angefertigte Prototypen wurden von Tim Saciri
und seiner Gruppe während 3 ½ Jahren an 250
Hunden z.T. über längere Zeit getestet. Die Universität
Bern plante eine Studie, welche die Sicherheit und Verträglichkeit
des Zahnüberzuges mit wissenschaftlichen Kriterien abklären
wollte. Die Pilotstudie begann im Frühling 2009 und wurde
nach wenigen Monaten abgebrochen.
Vorteile des Zahnschutzes
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Der Zahnüberzuges erlaubt es manchen Hunden, bis
zu einem gewissen Punkt zu fressen, zu trinken und auch
zu spielen.
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Hundebesitzer fühlen sich weniger diskriminiert,
da der Apparat aus der Ferne nicht sichtbar ist.
Es bestehen folgende Bedenken
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Der Hund kann trotzdem mit den hinteren Zähnen beissen;
es kann also zu mehr oder weniger schwerwiegenden Quetschungen
kommen.
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Die psychischen Folgen beim Opfer eines Hundeangriffes
werden nicht verhindert.
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Ist die Passform nicht optimal, kann der Zahnüberzug
spontan herausfallen.
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Auch nach 3-wöchiger Eingewöhnungszeit wurde
der Zahnüberzug von manchen Hunden abgestreift. Wenn
dies geschieht, kann die Situation brisant gefährlich
werden! Der Hund ist unter Umständen sehr erregt.
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Das Einsetzen und Herausnehmen kann für den Besitzer
problematisch bis gefährlich sein. Viele Hundebesitzer
werden es vermutlich gar nicht schaffen. Dies gilt vor allem
für wirklich aggressive Hunde.
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Es besteht die Gefahr, dass der Besitzer dem Hund den
Zahnüberzug
einsetzt, aber andere notwendige Vorsichtsmassnahmen nicht
einhält und auch eine Therapie nicht mehr vordringlich
ansieht. Damit wird das Übel nicht an der Wurzel angegriffen.
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Wenn
der Zahnüberzug herausgenommen wird, muss er
mit frischem Wasser abgewaschen werden, bevor er wieder
eingesetzt werden kann.
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Während ein Maulkorb sofort sichtbar ist, ist eine
Kontrolle des Tragens oder Nichttragens des Zahnüberzuges
erst aus nächster Nähe möglich.
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Es kann zu
einer Abnahme der Beisshemmung und zu einer Zunahme des Beissdruckes
des Hundes kommen.
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Eine Frustration des Hundes kann zu erhöhter Aggressionsbereitschaft
führen.
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Das starke Speicheln führt bei längerer
Tragzeit zu Wasser- und Elektrolytverlust.
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Langzeitfolgen
von längerem und häufigem Tragen
des Apparates (Maulbereich, Zahnstellung, Kiefergelenk,
Verhalten) sind nicht erforscht.
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Die Auswirkungen auf die Kommunikation
von Hunden untereinander ist noch nicht erforscht. Die
Mimik des Hundes ist verändert,
da er das Maul nicht schliessen kann.
Schlussfolgerungen
Der Saciri Bite Guard könnte eine Ergänzung bereits
bestehender Mittel zur Bissprävention sein;
der Zahnüberzug kann vielleicht als zusätzliche Sicherung
bei Hunden eingesetzt werden, die an der Leine eventuell schnappen
würden, aber vom Besitzer eigentlich sehr gut kontrolliert
werden. Auf keinen Fall ersetzt der Zahnüberzug einfach
den Maulkorb.
Bis wirklich nachgewiesen ist, dass die Hunde den Zahnüberzug
nicht entfernen können, ist er für freilaufende Hunde
nicht geeignet.
Um Schäden an Personen und Hunden zu vermeiden, soll
der Zahnüberzug nach Saciri in jedem Fall nur nach eingehender
Verhaltenskonsultation sowie nach genauer Aufklärung und
Anleitung der Hundeführerin oder des Hundeführers
verordnet werden.
Das Hauptgewicht liegt nach wie vor auf der Aufzucht gut sozialisierter
Welpen und auf Information und Ausbildung der Personen, die
mit Hunden umgehen.
Dieser Text der STVV darf nicht auszugsweise, sondern
nur in voller Länge zitiert werden.

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